Audiometrie

Bei der Audiometrie geht es um das Messen des Hörvermögens. Beim Hören gelangen Schallwellen über die Ohrmuschel und den Äusseren Gehörgang auf das Trommelfell. Von dort werden die Schallwellen durch den Weg über die Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel massiv verstärkt, so dass eine gute Übertragung auf das ovale Fenster und von dort in die Gehörschnecke, auch Cochlea genannt, gewährleistet ist.

Im Corti-Organ der Cochlea werden die Schallwellen durch die äusseren Haarzellen verstärkt (=Cochleärer Verstärker), und diese Verstärkung an die inneren Haarzellen weitergegeben. Bei den inneren Haarzellen werden die Schallwellen in elektrische Impulse umgewandelt und via Hörnerv zum Hirnstamm übertragen.

Die Ton-Audiometrie ist die am häufigsten verwendete Methode zur Bestimmung des Hörvermögens eines Patienten. Bei einer audiometrischen Messung werden dem Patienten über einen Kopfhörer Töne bestimmter Frequenzen mit zunehmender Intensität (Lautstärke) präsentiert, der Patient muss währenddessen angeben, wann er den Ton hört.

Neben der Tonaudiometrie wird beim Ohrenarzt oder dem Akustiker auch die Sprachaudiometrie verwendet. Vor allem für Expertisen oder bei der Anpassung von Hörsystemen werden Sprachtests durchgeführt.

Ziel der Ton- und Sprachaudiometrie ist es, zu messen, wie gross der gesamte Hörverlust ist, wie er sich zwischen Mittelohr (Schalleitung) und Innenohr (Schallempfindung) aufteilt, sowie das Verstehen zu testen.

Begriffe Audiometrie

Luftleitung LL

Die Schallübertragung auf dem normalen Weg über den Gehörgang (Aussenohr) und Mittelohr ins Innenohr wird als Luftleitung bezeichnet. Für die Messung wird ein Kopfhörer oder ein Einsteckhörer verwendet.

Knochenleitung KL

Die Schallübertragung (oder Vibrationsübertragung) über den Schädelknochen wird als Knochenleitung bezeichnet. Für die Messung wird der Knochenleitungshörer auf den Mastoid (Warzenfortsatz, Prozessus mastoideus, Knochen hinter der Ohrmuschel) gesetzt. Die Haut ist am Mastoid besonders dünn und somit kann der Schädelknochen ideal in Schwingung gesetzt werden. Der Stimulus wird über den Schädelknochen direkt auf das Innenohr übertragen. Dabei wird also die Gehörmuschel, Gehörgang und das Mittelohr übergangen. Durch den Vergleich der Messungen der Luft- und der Knochenleitung kann der Anteil einer Schallleitungsschwerhörigkeit bzw. Schallempfindungsschwerhörigkeit ermittelt werden.

Freifeld FF

Unter dem Begriff Freifeld sind Audiometrie-Tests über einen oder mehrere Lautsprecher zu verstehen. Im Freifeld werden somit immer beide Ohren getestet, ausser man verschliesst ein Ohr mit einem Ohrenpax, oder vertäubt es mit einem Einsteckhörer.

Schallleitungsschwerhörigkeit

Die Schwerhörigkeit wird durch ein Problem bei der Leitung (Übertragung) des Schalls verursacht. Die Ursache liegt daher im äusseren Gehörgang oder im Mittelohr (z.B. Otosklerose, Ohrenschmalz, Mittelohrerguss). Der Schall wird leiser wahrgenommen, wie wenn Ohrenpax getragen werden.

Schallempfindungsschwerhörigkeit

Dies ist die häufigste Form der Schwerhörigkeit. Die Schwerhörigkeit wird durch ein Schädigung oder Funktionsschwäche im Innenohr verursacht. Altersbedingt tritt diese Schwerhörigkeit auf, sowie durch Schädigung des Innenohrs durch Lärm. Es gibt auch andere Ursachen wie z.B. Innenohrstörungen, Virusinfektionen (MMR), ototoxische Medikamente, Erkrankung des Hörnerv oder ein Geschwulst. Je nach Ursache können bei chronischer Schwerhörigkeit Hörgeräte ein besseres Hören ermöglichen und dem Patienten Lebensqualität schenken.

Kombinierte Schwerhörigkeit

Kombination aus Schallleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeit.

Weber und Rinne-Test

Weber-Test

Beim Weber-Test wird die Kopf-Knochenleitung mit Hilfe einer Stimmgabel (meist 440Hz) geprüft. Dabei wird die schwingende Stimmgabel auf die Mitte des Kopfes gestellt und der Patient gefragt, auf welcher Seite er den Ton lauter hört. Liegt bei einem Ohr eine Schallleitungsschwerhörigkeit vor, so wird der Ton auf diesem Ohr besser gehört. Ist eine Schallempfindungsschwerhörigkeit vorhanden, so wird der Ton auf dem anderen Ohr besser gehört.

Rinne-Test

Beim Rinne-Test werden die Luft- und Knochenleitung mit Hilfe einer Stimmgabel (meist 440Hz) verglichen. Die schwingende Stimmgabel wird zuerst auf den Mastoid gesetzt, um die Knochenleitung zu prüfen. Sobald der Patient den Ton nicht mehr hört, wird die Stimmgabel ohne neu anzuschlagen vor die Ohrmuschel gehalten. Hört der Patient den Ton wieder, wenn die Stimmgabel vor der Ohrmuschel ist, so wird dies „Rinne positiv“ genannt. Hört er den Ton nicht, so wird er als „Rinne negativ“ bezeichnet. Normalhörende Patienten sind „Rinne positiv“. Liegt bei einem Ohr eine Schallleitungsschwerhörigkeit vor, so hört der Patient den Ton vor der Ohrmuschel nicht, und ist „Rinne negativ“. Ist eine Schallempfindungsschwerhörigkeit vorhanden, so wird sowohl über die Luftleitung, wie auch über die Knochenleitung weniger gehört, jedoch hört der Patient die Stimmgabel vor der Ohrmuschel wieder und ist somit „Rinne positiv“.

Ton-Audiometrie (Reintonaudiometrie RTA)

Bei der normalen Tonaudiometrie werden Frequenzen zwischen 125 und 8kHz gemessen. Die beim Audiometrieren ermittelte Hörschwelle wird im Audiogramm aufgezeichnet. Das Audiogramm ist eine Graphik mit Kurven, welche beschreiben, bei welcher Frequenz der Hörverlust wie gross ist. Die tiefen Frequenzen stehen links im Audiogramm, die hohen Frequenzen rechts. Bei den verschiedenen Frequenzen wird jeweils die Hörschwelle gesucht: Die Intensität (Lautstärke, Pegel) wird jeweils bei jeder Frequenz so stark erhöht, bis der Patient angibt, dass er den Ton hört. Als Stimulus werden Sinus- oder Wobbeltöne (frequenzmodulierte Töne) mit jeweils unterschiedlichen Frequenzen verwendet. Für die Messung werden Kopf- oder Einsteckhörer und allenfalls ein Knochenleitungshörer verwendet. Frequenz-Messungen über 8kHz bis 16 oder 20kHz werden als Hochfrequenz-Audiometrie bezeichnet. Die Symbole im Audiogramm sind je nach Land unterschiedlich.

Hörschwelle, Hörverlust HV (engl. hearing loss, hearing level HL)

Als Hörschwelle wird die Intensität bezeichnet, bei der der Patient gerade noch den Ton wahrnimmt. Bei verschiedenen Frequenzen gemessen ergibt sich eine Hörschwellen-Kurve (=Tonaudiogramm). Die Intensität wird In dB HL angegeben. Beim Normalhörenden liegt die Hörschwelle bzw. der Hörverlust bei allen Frequenzen bei 0dB HL. Je grösser der Abstand des Audiogramms zur 0dB-Linie, umso grösser ist der Hörverlust.

Unbehaglichkeitsschwelle (engl. Uncomfortable Level UCL)

Ab dieser Intensität in dB HL wird ein Ton als unangenehm laut empfunden. Die UCL wird manchmal im Tonaudiogramm eingezeichnet. Bei Normalhörenden liegt sie im Bereich von 90 bis 110dB HL. Meistens wird die UCL nicht für alle Frequenzen gemessen. Bei Hörgeräten darf die Verstärkung nicht so stark sein, dass die UCL erreicht oder sogar überschritten wird, ansonsten ist es für den Patienten zu laut.

Angenehme Lautheit (engl. Most comfortable level/range MCR/MCL)

Zwischen der Hörschwelle HV und der Unbehaglichkeitsschwelle liegt der Bereich der angenehmen Lautheit. Der Normalbereich der angenehmen Lautheit liegt etwa bei 50 bis 60 dB HL. Die Verstärkung beim Hörgerät sollte möglichst so eingestellt sein, dass die Intensität in diesem Bereich ist.

Überhören

Ist das Hörvermögen der Ohren sehr unterschiedlich, so kann beim Audiometrieren des schlechteren Ohres bei sehr lauten Tönen das bessere Ohr den Ton mithören (=überhören). Der Stimulus wird über den Schädelknochen auch zum Innenohr der Gegenseite übertragen, dadurch findet dieses Überhören statt. Somit wird das Audiogramm verfälscht, weil das bessere Ohr mithört. Dies kann durch Vertäuben verhindert werden.

Vertäuben (Maskierung) in der Ton-Audiometrie

Während des Audiometrierens des schlechteren Ohres wird durch Vertäuben mit einem Rauschen das Überhören vom schlechteren Ohr auf das bessere Ohr verhindert. Somit wird auf dem besseren Ohr durch einen Kopf- oder Inserthörer ein Rauschen präsentiert, so dass das bessere Ohr nicht mehr die Stimuli des schlechteren Ohres mithören kann. Das Mithören des Gegenohres wird somit ausgeschalten, man nennt dies „das Gegenohr wird vertäubt“. Vertäubt muss vor allem in der Ton-Audiometrie werden, kann aber bei einseitiger Taubheit oder bei starker Asymmetrie auch in der Sprach-Audiometrie zur Anwendung kommen.

  • Bei der Knochenleitung kann bereits bei 0-10dB überhört werden, das heisst, hier ist das Vertäuben extrem wichtig
  • Bei der Luftleitung wird bei Verwendung von Kopfhörern ab 50dB überhört, bei Einsteckhörern erst ab ca. 70dB

Sprachbanane im Ton-Audiogramm

Bei fast jedem Audiometer kann die sogenannte Sprachbanane eingeblendet werden. Sie markiert den Bereich, wo Sprache stattfindet. Je nach Frequenz ist dies zwischen 30 und 60dB HL. Um Sprache gut zu verstehen, ist somit ein Hörvermögen besser als 30dB erforderlich. Der Hauptbereich der Deutschen Sprache liegt zwischen 500Hz und 2kHz, in diesem Frequenzbereich liegen 70% der Laute.

Hochtonabfall

Das schlechte Hören von hohen Frequenzen wird als Hochtonabfall bezeichnet. Meistens liegt eine Schädigung im Innenohr (äussere Haarzellen) durch Lärm vor. Dabei zeigt sich dieses Verhalten bei beiden Ohren, da beide Ohren dem Lärm ausgesetzt waren. Die hohen Frequenzen sind von einem Hörverlust stärker betroffen wie die tiefen, da die hohen Frequenzen zu Beginn der Hörschnecke wahrgenommen werden.
Gemäss Richtlinien für ORL- Expertenärzte (Exp. Richtlinien 1.7.2011/Anpassung 1.1.2016) wird der Hochtonabfall wie folgt definiert (alle 3 Kriterien müssen an beiden Ohren erfüllt sein):

  • HV bei 500Hz ≤ 25dB
  • HV bei 2kHz ≥ 30dB
  • Zunahme des HV von 1kHz auf 2kHz oder von 2kHz auf 4kHz ≥ 30dB

CPT-AMA

Die Tabelle gibt an, bei welchem Ton-Hörverlust welcher prozentuale Teil-Hörverlust bei einer Frequenz erreicht wird. Der gesamte monaurale prozentuale Hörverlust (CPT-Hörverlust) errechnet sich durch Addition der vier Teilwerte der Frequenzen 500Hz, 1kHz, 2kHz und 4kHz. Sind unvertäubte und vertäubte Werte bei gleicher Frequenz vorhanden, so wird der vertäubte Wert für die Berechnung genommen. Der CPT-AMA-Wert wird in % angegeben. Der Wert wird sowohl für das linke, wie auch für das rechte Ohr bestimmt. Bei moderner Audiometrie-Softwar wird der CPT-AMA-Wert automatisch berechnet.

PTA

Der PTA-Wert ist der Pure Tone Average (deutsch: Reinton Durchschnitt). Normalerweise werden für die Berechnung des PTA der Durchschnitt des Ton-Hörverlustes bei den Frequenzen 500Hz, 1kHz, 2kHz und 4kHz genommen. Da für das Sprachverständnis vor allem der Bereich der soeben genannten Frequenzen relevant ist, werden diese vier Frequenzen für die Berechnung des PTA genommen. Der PTA wird mit der Einheit dB angegeben. Je nach Audiometrie-Software kann angegeben werden, aus welchen Frequenzen der PTA berechnet werden soll.

Sprach-Audiometrie

Bei der Sprach-Audiometrie werden nachfolgende Sprachtests unterschieden:

  • In Ruhe: Es gibt Sprachtests, bei denen Wörter „in Ruhe“ abgespielt werden, also nur Wörter und keine weiteren Geräusche. Bekannte Sprachtests für die Schweiz sind der Freiburger Test mit schweizerischer Aussprache, der französische Fournier oder der italienische Bocca-Test.
  • Im Störlärm: Bei den sogenannten Sprachtests „im Störlärm“ werden Sätze abgespielt, bei denen gleichzeitig auf derselben Kopfhörerseite bzw. auf dem gleichen Lautsprecher ein Störlärm, z.B. ein Murmeln abgespielt wird. Dies erschwert das Verständnis. Bekannte Sprachtests sind der Basler Satztest für die Deutschschweiz, WIN-Test (Word-in-Noise) oder Oldenburger Tests.

Das Sprach-Audiogramm

Beim Sprach-Audiogramm wird geprüft, wie gut der Patient Sprache (Wörter) versteht. Die X-Achse gibt die Intensität in dB SPL an, die Y-Achse die Verständlichkeit in % (wie viele Wörter wurden bei dieser Intensität verstanden).
Bei Normalhörenden liegt die 50%-Verständlichkeit beim Zahlentest (=mehrsilbige Wörter) bei 18.5dB SPL. Bei Einsilbern liegt sie zwischen 30 und 40dB SPL. Diese beiden Normkurven (= Ideallinien) sind bei den meisten Audiometern ersichtlich.

Beispiel:

Vorgehen Sprachaudiometrie in Ruhe

Man beginnt immer mit dem besseren Ohr. Es kann sein, dass die Kurve nie auf 100% geht. Die Kurve kann entweder immer noch oben gehen, oder wieder nach unten (siehe Helmkurve).

1. Immer zuerst ein Ton-Audiogramm mit Luft- und Knochenleitung machen

2. Zahlentest in Ruhe mit Kopfhörer:

  • Als Startintensität für den Zahlentest in Ruhe am besseren Ohr:
    Hörschwelle bei 500Hz Luftleitung + 20dB
    B. HV 500Hz = 20dB HL => Startintensität 40dB SPL
  • Ziel: Ein Resultat zwischen 20% und 80%:
    – Falls <20% verstanden: Intensität erhöhen +10dB
    – Falls >80% verstanden: Intensität verringern -10dB
    – Falls zwischen 20% und 80% verstanden: Intensität verringern -10dB für eine zweite Messung (oder Extrapolation aus Linie parallel zur Normkurve)
  • Für den Sprachtest sind 20 Wörter pro Intensität vorgeschrieben. Wird mit weniger Wörtern gemessen, so kann dies das Resultat verfälschen.

3. Einsilbertest in Ruhe mit Kopfhörer:

  • Als Startintensität für den Einsilbertest in Ruhe am besseren Ohr:
    Sprach-Hörverlust aus Zahlentest +20dB
    B. Sprach-Hörverlust (=50% Verständlichkeit Zahlen) = 40dB SPL => Startintensität 60dB SPL
  • Intensität schrittweise +10dB erhöhen bis maximale Diskrimination (Verständlichkeit)
  • – am Kopfhörer: Bei Hörgeräte-Gutachten +20dB über der maximalen Diskrimination bzw. bis Toleranzgrenze (oder bis max. 105/120dB SPL) zur Bestimmung einer Helmkurve. Evt. Vertäuben => Vertäubungsregeln anwenden, Vorsicht mit hohen Intensitäten!)
    – im Freifeld: maximaler Ausgangspegel des Lautsprechers (90dB)

Die Steilheit der Sprach-Kurve ist immer durch zwei gemessene Punkte definiert. Achtung: Über 90dB auf ein gesundes Ohr ist sehr laut und soll nicht zu lange gemacht werden. Vorsicht bei hohen Intensitäten!

Verstehen im Störlärm (Basler Satztest)

Um das Verstehen im Störlärm zu messen, wird in der Deutschschweiz der Basler Satztest durchgeführt. Es kann vorkommen, dass der Patient beim Sprachtest in Ruhe gute Resultate hat, aber im Lärm schlecht versteht. Das Vernetzen der Information der Hörbahn wird geprüft. Eine Durchführung des Tests ist nur mit guten Deutschkenntnissen sinnvoll.

Die Sprache und der Störlärm werden bei der Messung mit dem Kopfhörer auf der gleichen Kopfhörerseite und bei der Messung im Freifeld aus demselben Lautsprecher abgespielt. Dies ist elementar für eine korrekte Durchführung des Tests. Beim Test werden total 15 Sätze abgespielt, bei denen der Patient jeweils nur das letzte Wort verstehen muss. Die ersten paar Sätze dienen zum Einhören. Beim ersten Satz, dem Einhörsatz, wird der Satz mit einer jeweils um 2dB höherer Intensität so lange wiederholt bis der Patient das letzte Wort versteht. Sobald das letzte Wort verstanden wurde, wird die Intensität notiert (z.B. 66dB). Nun wird der erste Satz der Satzliste 2dB leiser abgespielt (64dB) und das Resultat (korrekt/falsch) notiert. Ab nun werden die Sätze bei Nichtverstanden nicht mehr wiederholt, sondern die Intensität der Sätze wird je nach Antwort angepasst:

  • Korrekte Antwort: Die Intensität der Sätze wird um 2dB verringert (= leiser gestellt)
  • Falsche Antwort/keine Antwort: Die Intensität der Sätze wird um 2dB erhöht (= lauter gestellt)

Die Intensität der Sätze und das Resultat muss bei jedem Satz notiert werden. ACHTUNG: Die Intensität des Störlärms wird nie angepasst, sie bleibt während des ganzen Tests immer gleich.

Die Sätze 7-15 gehen in die Auswertung des Messresultats ein. Der Test ist durch das Anpassen der Intensität nach jedem Satz so gestaltet, dass der Patient nicht 100% der Sätze verstehen kann, sondern ca. 50%. Damit der Test aussagekräftig ist, müssen in den Sätzen 7-15 mindestens 4 richtige und 4 falsche Antworten vorkommen. Für eine korrekte Durchführung des Tests wird eine genaue Instruktion des Patienten benötigt. Der Patient muss aufgeklärt werden, dass er nicht 100% verstehen kann.

Aus dem Durchschnitt der Intensitäten der Sätze 7-15 wird die Intensität des Störlärms subtrahiert. Daraus ergibt sich als Resultat der Nutz-Störschallabstand SNR. Normalhörende haben einen SNR um 0dB, sehr gut Hörende können auch ein leicht negatives Resultat haben. Resultate über 2dB sind bereits gut.

  • Über Kopfhörer: Störlärm und Sätze werden auf derselben Kopfhörerseite abgespielt (= gleiches Ohr). Startintensität ist 60dB oder 70dB SPL. Da es um die Intensität eines Wortes im Vergleich zum Störlärm geht, ist es nicht relevant, ob ich den Test bei 60dB oder 70dB mache – aber natürlich genug laut, damit der Patient es überhaupt hören kann.
  • Vergleich mit/ohne Hörgerät: Zur Überprüfung des Nutzens des Hörgerätes wird der Test im Freifeld (Sätze und Störlärm aus demselben Lautsprecher) durchgeführt. Der Störlärm wird fix auf 70dB SPL eingestellt. Mit den Sätzen wird ebenfalls bei 70dB SPL gestartet, die Intensität aber je nach Antworten des Patienten angepasst (siehe oben).

Der Basler Satztest wird vor allem bei Spezialfällen IV mit einem binauralen Hörverlust zwischen 15-20% durchgeführt (Zusatz-Kriterium), also bei knappen Resultaten. Dabei muss der Test über den Kopfhörer sowohl links, wie auch rechts gemacht werden. Der SNR muss über 4dB am zu versorgenden Ohr sein.

Bei Schlussexpertisen wird der Test im Freifeld mit/ohne Hörgerät durchgeführt.

Es sollte kein Basler Satztest über 90dB (Kopfhörer) durchgeführt werden. Wenn das Tonaudiogramm bereits extrem schlecht ist, macht es keinen Sinn, den Basler Satztest durchzuführen. Beim SNR kann dann 12dB (=Maximum) eingetragen werden.

Vertäuben (Maskierung) in der Sprach-Audiometrie

Bei einseitiger Taubheit oder bei starker Asymmetrie kommt das Vertäuben auch in der Sprach-Audiometrie zur Anwendung. Die Übertragung des Schalls geschieht immer über den Knochenleitungs-Weg (Schädelknochen). Ab 50dB Differenz der Knochenleitungsschwelle des zu maskierenden Ohrs und der verwendeten Sprachintensität ist zwar auf dem bessern Ohr die Sprache hörbar, aber noch nicht verständlich. Erst ab einer Differenz von 70dB beim Zahlentest bzw. 80dB beim Einsilbertest werden die Wörter verstanden. Hier muss also vertäubt werden, ansonsten erhalten wir beim Sprach-Audiogramm ein zu gutes Resultat für das schlechtere Ohr, was bei der Expertise zum Nachteil des Patienten ist.

Sprach-Hörverlust

Differenz zwischen der Intensität, bei dem der Patient 50% der Zahlen versteht (aus Kurve durch zwei Punkte ersichtlich) und dem Wert der Normkurve des Zahlentests (Normkurve 50% Verständlichkeit bei 18.5dB SPL).

Hörverlust nach Sozial-Index

Der Hörverlust nach Sozialindex ist die Differenz zwischen dem Durchschnitt der Verständlichkeit für einsilbige deutsche Wörter bei 60, 75 und 90dB SPL und 100%. Für die französische Sprache sind die massgeblichen Intensitäten einsilbiger Wörter 55, 70 und 85dB SPL. Die drei Diskriminationswerte [%] der entsprechenden Intensitäten werden addiert, die Summe durch 3 geteilt und von 100 subtrahiert. Das Ergebnis ist der monaurale Hörverlust nach Sozialindex. Im Sprach-Audiogramm sind diese Intensitäten manchmal durch dicke Linien gekennzeichnet. Der Sprachtest findet in Ruhe statt.

Hörverlust nach Fournier (für Französisch und Italienisch)

Der Hörverlust nach Fournier ist der Durchschnitt der Verständlichkeit für zweisilbige französische oder italienische Wörter bei 55, 70 und 85dB SPL. Die drei Diskriminationswerte [%] der entsprechenden Intensitäten werden addiert und die Summe durch 3 geteilt. Das Ergebnis wird als „Indice de Capacité Auditive“ (ICA) bezeichnet. Analog zum Sozialindex ergibt die Subtraktion von 100% den monauralen prozentualen Hörverlust aus dem Sprachaudiogramm.
Auch für italienische zweisilbige Wörter z.B. Bocca-Sprachtest wird die Fournier-Methode angewendet. Der Sprachtest findet in Ruhe statt.

Gesamthörverlust

Um den Gesamthörverlust zu berechnen, muss für beide Ohren ein Tonaudiogramm, sowie ein Sprachtest in Ruhe gemacht werden.
Gesamthörverlust = (CPT-AMA rechts + CPT-AMA links + Hörverlust nach Sozialindex* rechts + Hörverlust nach Sozialindex* links) ÷ 4
*bzw. nach Fournier

Diskriminationsverlust DV

Als Diskriminationsverlust wird im Sprachaudiogramm bei den einsilbigen Wörtern der Prozentanteil bezeichnet, der nicht verstanden wurde bei der höchsten vom Patient erreichten Einsilber-Verständlichkeit:
Verständlichkeit in % + Diskriminationsverlust in % = 100 %
Beim Diskriminationsverlust ist zwingend eine Intensitätsangabe in dB SPL erforderlich, z.B. bei 80dB SPL 30%. Das heisst, der Patient hat seine maximale Verständlichkeit bei 80dB SPL und diese beträgt 70%.

Hörverlust für Zahlen HVZ, SRT (engl. Speech Recognition Threshold)

SRT beschreibt den Schnittpunkt der Zahlen-Kurve mit der 50%-Verständlichkeitslinie im Vergleich zur Normkurve. Schneidet also die Zahlen-Kurve die 50%-Verständlichkeitslinie bei 50dB SPL, so beträgt SRT 31.5dB (= 50dB – 18.5dB).

Aufblähkurve (Intensitätszuwachskurve)

Diese Messung wird vor allem bei Kindern gemacht, wenn keine Sprachtests möglich sind, oder bei Personen, welche die Sprache nicht verstehen. Dabei soll ermittelt werden, wie viel das Hörgerät nützt. Es werden im Freifeld zwei Messungen pro Ohr durchgeführt. Das Gegenohr soll dabei verschlossen werden (mit Gehörschutz, Abformmasse, dem Finger oder besser mit Maskinghörer). Nun wird mittels Schmalbandrauschen (engl. Narrow Band Noise NBN) ohne Hörgerät die Hörschwelle gemessen. Anschliessend wird dasselbe mit Hörgerät durchgeführt. Die Position des Kopfes im Raum muss bei beiden Tests gleich sein. Die Differenz wird als Aufblähwert bezeichnet, bzw. die Kurve mit Hörgerät als Aufblähkurve.
Manchmal werden auch Wobbeltöne anstelle des Schmalbandrauschens verwendet. Sinustöne sollten für den Test nicht verwendet werden, da diese stehende Wellen erzeugen können, und somit die Intensität frequenz- und positionsabhängig verfälschen können.

Helmkurve, Glockenkurve (engl. roll over)

Eine Helmkurve bezeichnet im Sprachaudiogramm eine Abnahme der Einsilber-Verständlichkeit bei sehr hohen Intensitäten. Der Patient versteht also, wenn es zu laut ist, wieder schlechter. Dies tritt insbesondere bei Schallempfindungsschwerhörigkeit (Nerven- oder Sinneszellschäden) auf. Um eine mögliche Helmkurve zu ermitteln, sind hohe Intensitäten z.B. 90 und 105dB erforderlich (Vorsicht mit hohen Intensitäten!).

Korrelation Ton- und Sprach-Audiogramm – Plausibilitäts-Check

  • Zahlentest: Sofern das Audiogramm über 1000Hz flach oder abfallend (Hochtonabfall) ist:
    Durchschnitt der Hörschwelle bei 250, 500 und 1000Hz = Sprach-Hörverlust
  • Sind die Resultate des Zahlentests im Vergleich zum Ton-Audiogramm zu schlecht, hat der Patient vielleicht ein Sprachproblem, z.B. spricht er nicht gut Deutsch (andere Sprache für den Sprachtest verwenden)
  • Es gibt keine Form von Schwerhörigkeit, bei denen die Resultate des Zahlentests schlechter sind als die des Einsilbertests!
  • Bei Schallleitungsschwerhörigkeit: Die Kurven des Sprachtests sind im Vergleich zur Normkurve gleich steil, aber nach rechts verschoben.
  • Bei Schallempfindungsschwerhörigkeit: Die Kurve des Zahlentests ist nach rechts verschoben. Die Kurve des Einsilbertests ist flacher wie die Normkurve und nach rechts verschoben.

Beispiel Ton- und Sprach-Audiogramm bei Hochtonabfall 

Die Kurve für die Zahlen ist leicht nach rechts verschoben. Die Einsilber-Kurve ist stark nach rechts verschoben und im Vergleich zur Normkurve viel flacher.

Beispiel Ton- und Sprach-Audiogramm bei Schallleitungsschwerhörigkeit

Die Kurven des Sprachtests sind im Vergleich zur Normkurve gleich steil, aber um den Hörverlust gemäss Tonaudiogramm nach rechts verschoben. SRT ist 30dB, was dem Hörverlust entspricht.

Quellen: Frei geschrieben, zum Teil Informationen aus Richtlinien für ORL- Expertenärzte (Exp. Richtlinien 1.7.2011/Anpassung 1.1.2016), Audiometriekurs Modul II vom 13.4.2018 am USZ.

Bitte beachten Sie, dass diese Informationen allgemeiner Art sind und nicht ein kompletter Leitfaden zum Interpretieren aller möglichen Testergebnisse geboten wird. Die Messung muss in Verbindung mit weiteren medizinischen Untersuchungen interpretiert werden. DIATEC gewährt keine medizinische Richtigkeit bzw. Vollständigkeit. Genauere Informationen hierzu finden Sie in der einschlägigen Fachliteratur bzw. fragen Sie einen ORL-Spezialisten.

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